Pforte der Barmherzigkeit

Papst Franziskus hat die Barmherzigkeit zu seinem Programm gemacht. In seinem Apostolischen Schreiben Evangelii Gaudium vom 26. November 2013 zitiert er Thomas von Aquin, um den Vorrang der Barmherzigkeit beim kirchlichen Handeln zu betonen.

"Die Barmherzigkeit ist die wahre Kraft, die den Menschen und die Welt vor dem 'Krebsgeschwür' retten kann: dem moralischen Bösen, dem spirituellen Übel."

Der Papst wünscht, dass in allen Diözesen 'Pforten der Barmherzigkeit' geöffnet werden. In Freising hat Weihbischof Haßlberger am 13. Dezember 2015 eine solche Pforte eröffnet, das Nordportal des Freisinger Doms.

  

Eine Pforte ist eine Tür, die man öffnet und durch die man hindurchgeht, um in einen anderen Bereich, einen anderen Raum zu gelangen. In einen solchen anderen Bereich gelangen wir, wenn wir - aus unserem alltäglichen Bereich kommend - die Pforte der Barmherzigkeit durchschreiten. Die Pforte ist eine symbolische Tür zu einer anderen Welt, eine Welt der Barmherzigkeit, in der wir nach dem Wunsch von Papst Franziskus über diesen Begriff nachdenken sollen.

Zunächst geht es um die Barmherzigkeit Gottes. Gott ist zwar der gerechte Gott, aber vordringlich der, der "sich seines Volkes erbarmt" und selbst auf diese Erde kommt - wie bekannt: mit allen schrecklichen Konsequenzen.

Wer dieses Erbarmen Gottes mit den Menschen wirklich erfasst und begreift, kommt von selbst zum zweiten Punkt: dass auch wir barmherzig sein sollen.

  

  

Was da zu tun ist, listet die Kirche in zwei Kategorien auf.

Die sieben leiblichen Werke der Barmherzigkeit

  • Die Hungrigen speisen.
  • Den Dürstenden zu trinken geben.
  • Die Nackten bekleiden.
  • Die Fremden aufnehmen.
  • Die Kranken besuchen.
  • Die Gefangenen besuchen.
  • Die Toten begraben.

Die sieben geistigen Werke der Barmherzigkeit

  • Die Unwissenden lehren.
  • Den Zweifelnden recht raten
  • Die Betrübten trösten
  • Die Sünder zurechtweisen.
  • Die Lästigen geduldig ertragen
  • Denen, die uns beleidigen, gerne verzeihen.
  • Für die Lebenden und die Toten beten.

Darunter findet sich sicher auch etwas, was Sie tun können.


Kardinal Marx durchschreitet die Pforte der Barmherzigkeit

Am 1. Mai 2016 durchschritt Kardinal Marx die Pforte der Barmherzigkeit am Freisinger Dom und feierte anschließend mit Gläubigen aus der ganzen Stadt eine feierliche Maiandacht. In seiner Predigt über die Barmherzigkeit ging er auf den Wunsch von Papst Franziskus ein: Die Gläubigen sollen sich besonders bewusst werden, welche große Barmherzigkeit sie selbst bereits von Gott empfangen haben: ohne jegliche Eigenleistung seien sie geschaffen, ohne jegliche Eigenleistung geschaffen für ewig. Wer das verstanden habe, könne auch selbst von ganzem Herzen Barmherzigkeit üben.


Zum Ende des Heiligen Jahres hat Kardinal Marx die Pforte der Barmherzigkeit am Freisinger Dom geschlossen.

Dazu belauscht man das Gespräch zweier Kirchgänger:

"Das ist schon ein komisches Symbol für die Barmherzigkeit: eine Pforte, also eine Tür. Eine Tür macht man auf - gut, das versteh ich: Wir sollen barmherzig sein. Aber eine Tür macht man doch auch wieder zu. Sollen wir dann nicht mehr barmherzig sein?"

"Vielleicht soll das Symbol 'Tür' sagen, dass man die Türe immer wieder aufmachen kann, auch wenn sie mal geschlossen sein sollte."


Katholischer Pfarrverband St. Korbinian in Freising; Text und Ed: HCB; zuletzt aktualisiert am 20.11.2016

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